Jehovas Zeugen 
Zuletzt geändert: 29.10.1998
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"Perspektivwechsel"

"Die Wachtturm-Literatur ist lediglich ein Hilfsmittel, das Jehovas Zeugen einsetzen, um weltweit die Nachricht vom Königreich zu verbreiten." So oder ähnlich könnte die Antwort eines Zeugen Jehovas nach ihrer Rolle lauten. Was, wenn man es probehalber einmal andersherum betrachtet?

Ist die Wachtturm-Gesellschaft lediglich Anbieter religiösen Schriftgutes, unterscheidet sie sich nicht grundsätzlich von anderen Verlagen, die christliche Bücher, Zeitschriften, Traktate, Fotokalender und alle möglichen Artikel anbieten. Tatsächlich jedoch hat sei einen ganz anderen Status. Sie ist nicht ein, sie ist für Zeugen Jehovas der Anbieter religiöser Schriften, Organ der Klasse der "gesalbten Christen" (zu denen die allermeisten der ZJ nicht gehören). Die Verknüpfung eines Verlagsgroßunternehmens dieser Dimension mit einer religiösen Gemeinschaft dürfte weltweit einmalig sein. Einmalig sind auch die Vorteile, die daraus entstehen:
 
Extrem günstige Herstellungsbedingungen
Die Mitarbeiter in der Produktion, im "Bethel", wie es bei den Zeugen Jehovas heißt, sollen sich als "ordensähnliche Gemeinschaft" verstehen. D.h. sie arbeiten für Kost, Logis und ein Taschengeld, weil sie es als Teil ihrer Religionsausübung verstehen, "die Literatur" zu drucken (und das Bethel in gutem Zustand zu halten).

Extrem günstige Vertriebsbedingungen
Weltweit sind Zeugen Jehovas im Einsatz, um die Literatur dieses einen Verlages an den Mann und die Frau zu bringen. Selbstverständlich tun sie dies kostenlos. Nicht nur, daß Menschen ihre Freizeit dafür aufwenden, es gibt darüber hinaus auch "Pioniere" und "Sonderpioniere", die vollzeitlich "in Dienst stehen". Ihr Streben nach Einsatz für Gott und das Weitergeben von Literatur der Wachtturm-Gesellschaft wird untrennbar verknüpft. Sie ist das Medium, das Zeugen Jehovas verwenden und zu verwenden haben. Auch bei den kostenlosen "Heimbibelstudien" wird nicht etwa die Bibel direkt, sondern lediglich anhand von WT-Literatur studiert. Mit anderen Worten, der Glaubenseinsatz der Zeugen Jehovas wird für das Vertriebswerk der Wachtturm-Gesellschaft funktionalisiert.

Ausgeprägte Kontrollhierarchie
Was von der "leitenden Körperschaft" kommt, ist für Zeugen Jehovas die Stimme des "treuen und verständigen Sklaven", einer Instanz, die Jehova selbst eingesetzt hat, um sein Volk in dieser Zeit zu leiten. Zwar darf sich dieser "Sklave" - im Prinzip - auch mal irren, jedoch wird ausdrücklich davor gewarnt, "unabhängig zu denken". Lehränderungen sind als "neues Licht, das Jehova gegeben hat", immer unproblematisch anzubringen, und man soll es nicht besser wissen als "der Sklave zu seiner Zeit." Man ist schon "in der Wahrheit" - braucht sie also nicht eigens zu suchen. Die Bibel ist so zu verstehen, wie es von dieser bibelerklärenden Literatur vorgegeben wird, und nicht anders. Abweichende Ansichten sind bestenfalls Privatsache, wenn jemand damit an die Öffentlichkeit geht, hat er ein Problem. Damit ist die Religion der Zeugen Jehovas letztlich nicht von Gott und dem Wort Gottes, sondern von der Literatur eines Verlages abhängig.

Bis hinauf zur leitenden Körperschaft gibt es etliche Kontrollinstanzen, die auf die Einhaltung der korrekten Linie achten: Die Ältesten, die Kreisaufseher, die Bezirksaufseher, die "Zweigbüros", Zonenaufseher. Was bei anderen religiösen Publikationen noch unter "Leserbriefspalte" durchgehen mag, ist bei den Zeugen Jehovas verbindliche Anfrage zu tiefen Glaubens- und Lebensangelegenheiten, die von Mitarbeitern in der Verlagshierarchie verbindlich beantwortet werden. Die Konsequenzen gehen soweit, daß jemand für abweichende Ansichten ausgeschlossen werden kann und ihm - unbiblischerweise - die Vernichtung in Harmagedon bevorstehen soll. Gleichzeitig wird er von den Kontakten zu anderen Angehörigen und Freunden in der Gemeinschaft abgeschnitten.Auch hier wieder verhindert die Vermischung mit der religiösen Überzeugung die Erkenntnis, daß man eigentlich für ein Verlagswesen arbeitet: Es ist Arbeit für Jehova, die Menschen auf der Linie der WT-Gesellschaft zu halten. Biblisch ist all dies nicht, weder die Drohung mit Harmagedon, noch sich von jemandem abzuwenden, der - mit der möglichen Ausnahme gravierender Irrlehren - in bestimmten Punkten andere Ansichten vertritt (Römer 8:1, Römer 14, Apostelgeschichte 15:7).

Weltweite Expansion
Was als kleine Traktatgesellschaft in den USA begonnen hat, ist heute ein Verlagsgroßunternehmen mit spektakulären Gebäudekomplexen in vielen Teilen der Erde.

Über eine lange Zeit wurde die Literatur der Zeugen Jehovas, Zeitschriften und Bücher, von diesen an der Straße verkauft. Die Verkaufspreise waren zwar vergleichsweise gering, trotzdem dürften aufgrund der konkurrenzlosen Herstellungs- und Vertriebsbedingungen beträchtliche Gewinne angefallen sein. Dafür spricht auch die weltweite Expansion.  Ähnliche Gebäudekomplexe in aller Welt werden immer wieder stolz vorgestellt.

Die Auflagenstärke war dabei in der ganzen Zeit gesichert, mußte die Literatur doch vorher höchstselbst am Literaturstand erworben werden. Nicht abgesetzte Literatur durfte nicht etwa verkauft, sondern mußte verschenkt werden. Selbst nie Zeuge Jehovas geworden, könnte ich mir aber vorstellen, daß da auch psychologische Mechanismen gewirkt haben, etwa, daß sich jemand schämt, zu wenig Literatur abzunehmen oder sein Kontingent zu reduzieren. In einigen Büchern von Ehemaligen wird auch derartiges angedeutet.

Seit einigen Jahren nun erfolgt die Abgabe der Literatur kostenlos. "Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es auch", dieser Bibelvers wird als Begründung herangezogen. So ganz ohne Kosten dürfte es dennoch nicht abgehen. Das Wachtturm-Verlagswerk trägt sich nunmehr aus Spenden. Geht man davon aus, daß die Spendenflüsse von außerhalb der Zeugen Jehovas und ihrer unmittelbaren Sympathisanten nicht gerade reichlich fließen, dürfte die finanzielle Last heute zu einem Löwenanteil indirekt von den Zeugen Jehovas selbst getragen werden. Während prinzipiell nichts dagegen einzuwenden ist, daß ein Christ sich auch mit seinem Geld für das Reich Gottes einsetzt, steht man auch hier wieder vor der Situation, daß die Wachtturm-Gesellschaft bei alledem die Alleinbegünstigte ist.

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Ein biblisches Vorbild? Jehovas Zeugen Jehovas Zeugen Jehovas Zeugen Wachtturm Erwachet Jehovas Zeugen Jehovas Zeugen Jehovas Zeugen Wachtturm Erwachet
Letzten Endes... Möglicherweise erscheint das Ergebnis, zu dem ich komme, dem einen oder anderen Leser etwas hart und schwer anzunehmen. Dennoch möchte ich es so formulieren: Für mich ist die Wachtturm-Gesellschaft als solche keineswegs "der treue und verständige Sklave", sondern nicht viel anderes als ein Anbieter religiöser "Tupperware", die viel Nutzen daraus zieht, daß sie sich kaum trennbar mit einer Religionsgemeinschaft verwoben hat.  Ebenso wie bei Tupperware sind ihre Anhänger davon überzeugt, das beste Produkt anzubieten. In dem einen Fall geht es um Plastikgeschirr, in dem anderen um erklärende religiöse Literatur, die angeblich allein "die Wahrheit" enthält.

Die WT-Gesellschaft hat dabei eine derartige Identifikation mit ihren Produkten erreicht, daß ihre "Vertreter" sie für absolut unverzichtbar halten und sie mit großem Eifer an der Straße und an der Haustür anbieten und mit Interessierten Studien abhalten, die aufgrund dieser Produkte stattfinden. Dabei ist gegen den Einsatz für Gott, ich möchte es noch einmal wiederholen, nichts zu sagen, wohl jedoch gegen die Verknüpfung mit den Wachtturm-Produkten.  Die Vermischung geht soweit, daß jeder Zeuge Jehovas gerne und bereitwillig genaue Statistiken darüber führt und abliefert, wieviele Stunden er/sie für den Vertriebs-/Predigtdienst aufgewendet hat und wieviel Material dabei abgegeben wurde. Erfolge in den Jahresstatistiken werden gleichzeitig auch zu Erfolgen für die "Königreichsarbeit".

Bezeichnenderweise wird darin auch nicht die Gesamtzahl getaufter Zeugen Jehovas geführt, sondern die "Verkündigerzahlen".

 
(c) 1997, 1998 .  Die Verbreitung der Informationen ist erwünscht, jeglicher Abdruck bedarf jedoch meiner ausdrücklichen Genehmigung.