Jehovas Zeugen 
Zuletzt geändert: 23.01.2000

Warum diese Seiten?


Die Gründe, warum man sich mit einer Religionsgemeinschaft intensiver auseinandersetzt, können sehr vielfältig sein. FotoBei mir nahm - nachdem ich Christ geworden war - das Interesse an religiösen Lebensäußerungen in meinem Umfeld zu.  Jehovas Zeugen sind mir dabei immer mal wieder am Straßenrand aufgefallen, mir ihren typischen Zeitschriften, Wachtturm und Erwachet!   Seinerzeit wurden sie noch verkauft, ältere Exemplare aber immer mal wieder kostenlos abgegeben.

Oft waren diese Zeugen Jehovas gerne zu Gesprächen bereit, und diese Gelegenheiten habe ich ebenso gerne immer wieder genutzt.  Als Christ fiel mir auf, daß sich das Bibelverständnis der Zeugen Jehovas von meinem und dem anderer christlicher Gemeinschaften in ganz bestimmten Punkten unterscheidet.  Die Gespräche kamen so immer wieder gerne auf bestimmte "Lieblingsthemen".  Zunächst war ich frappiert, wie gut die Zeugen Jehovas sich in der Bibel auskennen.  Flüssig wurden Stellen aus den alttestamentlichen Propheten zitiert und in der Bibel aufgeschlagen.
 

Später habe ich dann gelernt, daß es die Theokratische Predigtdienstschule gibt, in der Zeugen Jehovas das Gespräch mit Nicht-Zeugen an praktischen Beispielen üben sollen:  Ein Zeuge spielt den zu Überzeugenden (oder "Rückzubesuchenden"), der andere führt seine Argumentation vor.   Das erklärt den flüssigen Vortragsstil - wenn jemand schon Jahre dabei ist, kann es nicht ausbleiben, daß er seine Themen referieren kann. Andererseits  war es eher häufiger als selten der Fall, daß ich mich mit meinem Gegenüber gar nicht wirklich unterhalten konnte.  Ich diente nicht als Gesprächspartner, sondern als Stichwortgeber, mir wurden minutenlange Monologe vorgespult, in die ich keine eigenen Fragen oder Gedanken einbringen konnte.   Mitunter halfen selbst nonverbale Hinweise nicht.

Als ich mir die Gesprächssituation bewußter gemacht habe, wurde ich auf einmal sehr betroffen:  Gerade bei älteren Zeugen Jehovas hatte ich bisweilen den Eindruck, überhaupt nicht mehr zu dem Menschen durchzudringen, mit dem ich gerade Worte wechselte.  Ich bekam zu jedem Gedanken das passende Kapitel der Wachtturmlehre  "abgespult" - aber keine eigenen Fragen, Gedanken, Erlebnisse - die Persönlichkeit des Menschen, mit dem ich ich da redete, habe ich nicht gefunden oder ich bin nicht zu ihr durchgedrungen.
 

Auf der anderen Seite merkte ich zunehmend, daß die scheinbar profunde Bibelkenntnis, diese spontanen Antworten auf religiöse Fragen, sich oft nur auf die "Lieblingsstreitthemen" der Wachtturmgesellschaft bezogen, anhand derer sie den "Abfall" der Christenheit beweisen will.  Die tieferen biblischen Zusammenhänge waren hingegen nicht bekannt oder sind nicht verstanden worden.  Noch heute kann ich mich daran erinnern, wie mir ein Zeuge Jehovas triumphierend seine Bibel entgegenstreckte und mir einen Vers aus dem Buch Maleachi zeigte, den ich vorher noch nie bewußt wahrgenommen hatte.  Darauf konnte ich nichts entgegnen.  Als ich mir später gespannt das ganze Kapitel vornahm, fiel mir auf, daß der Vers, für sich allein genommen, aus dem Zusammenhang gerissen war...
 

Zunehmend wurde mir bewußt, daß es um weit mehr als um Lehrdispute geht.

Den  "anderen Schafen" - also der weitaus größten Gruppe unter den Zeugen Jehovas - werden durch die über das Neue Testament gestülpten Lehre von den 144.000 wesentliche Zusagen vorenthalten, die allen Christen gelten.  Weiterhin werden sie - obwohl es nach Jesu Worten nur eine Herde unter dem einem guten Hirten geben soll - von der Gesamtheit der Nachfolger Jesu Christi abgeschnitten.  Die "Christenheit", so heißt es pauschalisierend,  sei ein Teil der "Hure Babylon", die einen besonderen Anteil an den Plagen Jehovas bekommen wird.

Darüber hinaus bilden die Zeugen Jehovas die kaum mehr trennbare Verquickung einer Religionsgemeinschaft mit einem weltweit operierenden Verlagswesen. Dessen Struktur ist zu "Jehovas Organisation" geworden, zu der ein Zeuge Jehovas gehören und in der er Schutz und Sicherheit finden muß und in der er dem "Ende dieses Systems der Dinge" entgeht.  Von dem "treuen und verständigen Sklaven" erhält er seine Weisungen, oft in Form unterschwelliger Hinweise, was als richtiges Verhalten angesehen wird.  Sei es "Bibelstudium", sei es "Predigtdienst" - alles geschieht auf der Grundlage von Literatur der Watchtower Bible and Tract Society und in dem von dieser Gesellschaft definierten Rahmen.

Ein System, bei dem es keine Korrektur von außerhalb gibt.  Obwohl es immer wieder Irrtümer und Lehränderungen gegeben hat, ist das aktuelle Wort aus Brooklyn immer verbindlich.


Soviel Aufwand für ungefähr 160.000 Menschen?

Die Zeugen Jehovas sind, verglichen mit der Gesamtbevölkerung, eine recht kleine Gemeinschaft, dennoch sind sie im gesellschaftlichen Bild präsent.  Vor einiger Zeit durch die Medien gegangen und bei den Zeugen Jehovas immer noch sehr lebendig sind die Bestrebungen, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts zu werden.

Als Christ liegen mir die Zeugen Jehovas am Herzen:  Sie sind oft mit viel Engagement bei der Sache und dienen aufrichtig und ernsthaft.  Nur leider stellen sie sich dabei unter ein menschengemachtes Konstrukt, unter eine menschliche und angemaßte (im Unterschied und Gegensatz zu einer von Gott stammenden) Autorität.


Meine in längerer Zeit gesammelten Erkenntnisse möchte ich auf diesem Weg der allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, in der Erwartung, daß sie dem einen oder anderen zusätzliches Wissen über diese so öffentliche und dennoch so wenig bekannte Religionsgemeinschaft eröffnen. Und ich hoffe und bete, daß diese Seiten dazu beitragen, daß immer mehr Jehovas Zeugen zu einem befreiten Christsein in der vollen Kraft der Zusagen des Neuen Testaments finden.
 

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