Jehovas Zeugen 
Zuletzt geändert: 23.01.2000
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"...die Plagen am meisten verdient"

"Wie wir sehen werden, kommen bei den ersten vier Trompetenstößen Plagen über "ein Drittel" der Erde, der Flüsse, der Wasser- und Lichtquellen der Erde (Offenbarung 8:7-12).  Ein Drittel bildet einen großen Teil von etwas, aber nicht alles. [...]  Welches Drittel hat diese Plagen am meisten verdient? [...] Ja, die ganze Menschheit steht in Gefahr, daß über sie ein ungünstiges Urteil gefällt wird.  Doch einen bestimmten Teil trifft besondere Schuld.  Ein Teil - "ein Drittel" hätte es besser wissen müssen.  Was ist mit diesem Drittel gemeint? Damit ist die Christenheit gemeint.  In den 1920er Jahren umfaßte sie etwa ein Drittel der Menschheit." 
Aus dem Buch "Die Offenbarung, ihr großartiger Höhepunkt ist nahe", Kapitel 21:
"Die für die Christenheit bestimmten Plagen Jehovas", S.133

Was Zeugen Jehovas der Christenheit voraussagen...

Das obige Zitat macht exemplarisch die Haltung deutlich, die in der Literatur der Wachtturm-Gesellschaft gegenüber der Christenheit immer wieder vertreten wird.
Eine Ökumene, auch nur eine Akzeptanz anderer christlicher Glaubensgemeinschaften, kann es nach Auffassung der Wachtturm-Gesellschaft nicht geben.  Die "Christenheit" gehört zum "Reich der falschen Weltreligion", sie ist ein Teil der "Hure Babylon" aus der Offenbarung.

"Welches religiöse Gebilde ist gemeint?  Ist es die römisch- katholische Kirche, wie einige behaupten?  Oder ist es die ganze Christenheit?  Nein, die Hure muß noch größer sein, wenn sie alle Nationen irreführt.  Sie ist das gesamte Weltreich der falschen Religion" (Offenbarungsbuch, S.235)

Die Wachtturm-Gesellschaft hat es dabei nicht nötig, zu differenzieren, im Gegenteil, sie wird immer pauschaler.   Sie kommt vom Hämmerchen über den Fäustel bis zum Vorschlaghammer, der verbal auf die ganze "Christenheit" herabsaust. Scheinbar gelten die Aussagen von Jesus aus der Bergpredigt nicht für sie, in denen es heißt:

"Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.  Denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr meßt, wird euch zugemessen werden" (Matthäus 7,1-2)

Mehr noch, sie urteilt nicht nur über die Christenheit, sie behauptet auch, daß sie selbst einen Anteil daran hat, die Urteilssprüche Gottes weiterzugeben:

"In Übereinstimmung damit, daß mehrere Trompetenstöße erfolgten, wurden von 1922 bis 1928 auf sieben Kongressen besondere Resolutionen angenommen.  Doch das Blasen der Trompeten war nicht auf jene Jahre beschränkt. [...]  Jehovas Urteilssprüche müssen trotz internationalen Hasses und trotz Verfolgung überall, unter allen Nationen, verkündigt werden." (Offenbarungsbuch, S.133)

Erst wenn dies weltweit geschieht, soll Gott "diesem System der Dinge" ein Ende setzen.  Es wird nachfolgend ausdrücklich gesagt, daß nun die "große Volksmenge" der "Johannes-Klasse" (vgl.  den Beitrag  zum Zweiklassensystem der Zeugen Jehovas) bei der Erfüllung dieses Auftrags nunmehr helfe.

Was ist denn nun das Schicksal, das die Christenheit letztendlich treffen wird?  Zunächst wird sie, will man dem Ofenbarungsbuch der Wachtturmgesellschaft Glauben schenken, "von der Hitze des Mißfallens Jehovas versengt", und ihre Führer werden "durch die Verkündigung des ungünstigen Urteils Jehovas verbrannt".  Womit immerhin keine buchstäbliche Verbrennung gemeint zu sein scheint, immerhin ist gleich darauf davon die Rede, daß Hunderte von Millionen Mitglieder die Organisationen der Christenheit weiterhin unterstützen.  Sie sind halt nur in Jehovas Augen "wie versengte Grashalme".

Für jeden Nicht-Zeugen ist das "Offenbarungs-Buch" ein Exempel dafür, wie frei die Wachtturm-Gesellschaft die Bibel auf die Geschichte ihrer Religionsgemeinschaft ummünzt.

Letztendlich ist das vorausgesagte Schicksal die Vernichtung in einem "Schlußkrieg", der gegen "Satans System der Dinge" geführt wird.  Das "Offenbarungs-Buch" spricht in diesem Zusammenhang von einem giftigen "Weinstock der Erde" als einem korrupten, die Menschen beherrschenden System mit vielen dämonischen Früchten.   "Babylon die Große, deren prominenter Vertreter das abgefallene Christentum ist, hat auf diesen giftigen Weinstock großen Einfluß ausgeübt." (Offenbarungsbuch, S.212)

Was hilft, ist lediglich "Jehovas irdische Organisationsvorkehrung" (S.214), in der die "große Volksmenge" Sicherheit finden soll vor der "Ausrottung", der "Vernichtung", die "vollständig und unwiderruflich" sein wird.

Es entsteht das Bild einer exklusiven Gemeinschaft, die sich selbst für im Besitz der "wahren Anbetung" hält, die geflissentlich ignoriert, daß es außerhalb der Zeugen Jehovas eine Vielzahl von Christen gibt, die Jesus nachfolgen, und deren Leben die Früchte ihres Glaubens zeigt.

Sicherlich auch mit allen Schwächen und Fehlern.  Aber mit genau solchen Menschen kann Gott etwas anfangen, wenn sie sich mit ihm auf den Weg machen.  Völlig im Gegensatz zur Bibel geht es nicht darum, daß Jesus Menschen dazu ruft, sich ihm anzuschließen, ihm nachzufolgen, sondern darum, daß Jehova angeblich in wunderbarstem Bürokratendeutsch eine "irdische Organisationsvorkehrung" getroffen hat, in der aufzuhalten einem Sicherheiten versprechen soll.


Das "Trennungswerk"
 

Sie haben derlei noch nie von einem Zeugen Jehovas an der Haustür oder auf der Straße gehört?  Das könnte daran liegen, daß sie für einen "schafähnlichen Menschen" gehalten werden.

Jehovas Zeugen haben eine etwas eigenwillige Auslegung der Endzeitrede Jesu, die in Matthäus 25 wiedergegeben ist.  "Wenn aber der Sohn des Menschen [Jesus selbst] kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen, und vor ihm werden versammelt werden alle Völker, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet.  Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken.  Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen:  Kommt her, Gesegnete meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an; denn mich hungerte, und ihr gabt mir zu essen; mich dürstete,  und ihr gabt mir zu trinken, ich war Fremdling, und ihr nahmt mich auf, nackt, und ihr bekleidetet mich [...]  Dann werden die Gerechten ihm antworten: Herr, wann sahen wir dich hungrig und speisten dich?  Oder durstig und gaben dir zu trinken? [... ]  Und der König wird antworten und zu ihnen sagen:  Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan." Es folgt ein analoger Teil, in dem von denen zur linken Seite genau das Gegenteil gesagt wird.

Man wird es aufgrund dieser Bibelpassage kaum erahnen können:

Für die Zeugen Jehovas findet dieses "Trennungswerk" hier und heute statt.  Da die Wiederkunft Jesu für Zeugen Jehovas entgegen einer Vielzahl wichtiger und klarer Bibelstellen nicht sichtbar stattfindet und man die Aussage über das "Kommen in Herrlichkeit" offenbar getrost ignorieren kann, da sie angeblich bereits unsichtbar im Jahr 1914 stattgefunden hat (ein für Zeugen Jehovas aus ihrer Geschichte heraus bedeutsames Datum mit einer wechselvollen Geschichte, es wurde mehrfach uminterpretiert), kann natürlich auch die Trennung so vollzogen werden, daß die "Schafe" bei den Zeugen Jehovas versammelt werden und die Böcke draußenbleiben. Das paßt dann auch wunderbar zu der Bezeichnung "andere Schafe", zu denen ja alle Zeugen Jehovas gehören sollen, die nicht bei den "144.000" sind.  In dem Buch "Jehovas Zeugen , Verkündiger des Königreiches Gottes" steht der herrlich zweideutige Satz:

"Es erfordert viel Geduld, Menschen ausfindig zu machen, die wirklich wie Schafe sind." (S.465)