Zuletzt geändert: 14.11.2004
 Jehovas Zeugen 

Mit Zeugen Jehovas reden

Sei es in der Fußgängerzone oder an der Haustür:  Es gibt einige Gelegenheiten, mit Zeugen Jehovas ins Gespräch zu kommen.  Oft ergibt sie sich unvorbereitet, wenn es unverhofft klingelt und - in der Regel zwei - Menschen an der Türe stehen, die zu einem Gespräch über religiöse Dinge einladen.

Diese Situation kann auch für einen Christen mit Unsicherheit behaftet sein:  "Was habe ich in so einem Gespräch zu erwarten oder zu befürchten?  Sind die Zeugen Jehovas nicht so geschult, daß sie mich ohnehin an die Wand reden?"

Vorbereitung

Wenn Sie mehr planen als nur eine fünfminütige Unterhaltung zwischen Tür und Angel, würde ich empfehlen, sich darauf etwas vorzubereiten.  Es ist mühsam, wenn Sie erst im Gespräch herausfinden müssen, sich erst selbst in die Bibel vertiefen und die präsentierten Lehren prüfen müssen.   Besorgen Sie sich daher Material, in dem sie die Lehren der Zeugen Jehovas bereits im voraus kennenlernen und sich damit beschäftigen können.

Empfehlung:  Das "Unterredungsbuch"

Sehr gut geeignet ist dafür ein Buch der Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft, die Unterredungen anhand der Schriften.   In diesem Buch werden nicht nur typische Einstiege in Haustürgespräche und mögliche Antworten angesprochen, sondern auch die Lehre der Wachtturmgesellschaft für zahlreiche Themen von A wie "Abfall" bis Z wie "Zungenreden" bündig beschrieben.  Bei dem nächsten Besuch können Sie Ihren Gast danach fragen, ob er Ihnen das "Unterredungsbuch", wie es bei den Zeugen kurz heißt, geben oder besorgen kann.

Wenn Sie sich in der Bibel halbwegs auskennen, wird es Ihnen nicht schwerfallen, die Schwächen der dort dargebotenen Argumentationen zu erkennen.  Insbesondere empfiehlt es sich, bei Worten wie "passenderweise" oder "logischerweise" sehr hellhörig zu werden.  (Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die nun folgende Aussage den meisten Menschen weder logisch noch passend erschienen wäre, wenn es nicht ausdrücklich dabeigestanden hätte.)

Literatur von Ehemaligen?  Vorsicht!

Eine weitere interessante Informationsquelle ist die Literatur ehemaliger Zeugen.  Leider ist es nicht unproblematisch, dieses Material zu verwenden: Eigentlich dürfen sich Zeugen Jehovas überhaupt nicht mit Ehemaligen und ihren Äußerungen abgeben!  Das stellt eine äußerst effektive Mauer gegen jegliche Kritik dar - sei sie berechtigt oder nicht.  Wem "die Gemeinschaft entzogen" wurde, steht vor der Tür und hat keine Möglichkeit mehr, sich zu Gehör zu bringen.  Nicht jeder ist bereit, soweit selbst zu prüfen - was uns die Bibel ja nahelegt - daß er sich über dieses Verbot hinwegsetzt.  Gehen Sie schlimmstenfalls davon aus, daß ein Zeuge Jehovas sofort das Gespräch abbricht - als hätten Sie ihm angeboten, sich mit Ihnen einen harten Pornofilm anzuschauen.

Im Gespräch

Nach meinen Erfahrungen kann man mit Zeugen Jehovas unterschiedlich gut reden.  Manche sind für ein Gespräch offen und es kommt zu einem echten Austausch.  Manche spulen nur das herunter, was sie von der Wachtturmgesellschaft gelernt und in der Theokratischen Predigtdienstschule wiederzugeben geübt haben.

Viele Zeugen Jehovas sind, wenn sie mit einer Argumentation nicht weiterkommen, nur zu gerne bereit, jedes Thema durchzuprobieren: Es geht darum, zu zeigen, daß die Christenheit zur "Hure Babylon" gehört.  Das muß er nicht in jedem einzelnen Punkt beweisen können, also geht er sie der Reihe nach durch.  Irgendwie wird der Beweis schon klappen, daß Ihre Gemeinschaft Gott unmöglich gefallen kann. Versuchen Sie daher in jedem Fall, bei einem Thema zu bleiben und nicht eher weiterzugehen, bis dieses Thema vollständig durchgesprochen wurde.

In jedem Fall werden Sie Geduld brauchen - und davon eine ganze Menge.  Die meisten Zeugen Jehovas sind sehr davon überzeugt, daß sie - wie ja auch eine interne Redensart lautet - "in der Wahrheit" sind.  Selbst wenn sie in einer Diskussion darauf stoßen, daß sie ihre Ansicht biblisch nicht halten können, heißt das nicht, daß sie ihnen recht geben werden.  Vielmehr kann es sein, daß ein Zeuge Jehovas sich dafür die Schuld gibt:  "Natürlich hat die Wachtturmgesellschaft recht.  Nur ich konnte das jetzt nicht richtig erklären. "

Es geht nicht - und diesen Satz kann man nicht groß genug schreiben - darum, Diskussionen zu gewinnen, sondern einen Menschen.

Zeigen Sie ihrem Gesprächspartner, daß er Ihnen persönlich wichtig ist - und nicht nur ein Sparringspartner für theologische Streitgespräche.  Scheuen Sie sich nicht, von ihrem Vertrauen zu reden, daß Gott sie angenommen und ihnen vergeben hat.  Es kann gut sein, daß ihr Gegenüber mit der Heilsgewißheit mehr oder weniger Probleme hat.

Und - letztlich kann Liebe mehr überzeugen als alle guten Worte.

© 2000 .