Jehovas Zeugen 
  Zuletzt geändert: 23.07.2000
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Beth-Sarim

das "Haus der Fürsten"


Die Rückkehr der Patriarchen prophezeit!

1920 erscheint die Broschüre "Millionen jetzt lebender Menschen werden nie sterben".  Darin heißt es auf den Seiten 79/80:

"...und da andere Schriftstellen der Tatsache bestimmt Ausdruck geben, daß eine Auferstehung Abrahams, Isaaks, Jakobs und anderer Treuen des alten Bundes stattfinden wird, und dass diese die erste Gunsterweisung empfangen werden, können wir erwarten, im Jahr 1925 Zeuge zu sein von der Rückkehr dieser treuen Männer Israels aus dem Zustand des Todes; indem sie auferweckt und zur vollkommenen Menschlichkeit wiederhergestellt sein werden, um gemacht zu werden zu sichtbaren gesetzlichen Vertreten der neuen Ordnung der Dinge auf Erden."

Diese Aussage läßt an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig.   Sie enthält keine Fragezeichen.  Der Autor prophezeit, daß die Leser seiner Broschüre diese Ereignisse im Jahr 1925 selbst miterleben, Zeugen sein werden.  Auf S. 81 findet sich sogar noch mal eine Wiederholung, in der betont wird, daß wir seinen Ausführungen Vertrauen schenken können:  "Daher können wir vertrauensvoll erwarten, dass mit 1925 die Rückehr Abrahams, Isaaks [...] eintreten wird [...]"   Die Stichhaltigkeit der Argumentation erscheint dem Autor völlig überzeugend.

Die Geschichte hat gezeigt, daß diese Prophetie nicht von Gott war -sonst wäre sie eingetroffen (5. Mose 18:22).

1924, also immerhin nur noch ein Jahr von der felsenfest erwarteten Erfüllung der prophezeiten Ereignisse entfernt, erscheint ein Buch für junge Menschen mit dem Titel "Der Weg zum Paradiese".  Darin wird zwar die Jahreszahl 1925 - nicht jedoch der Zeitraum und der Inhalt der Prophetie - relativiert:

"Wir dürfen darum bald nach 1925, dem letzten vorbildlichen Jubeljahr, die Auferstehung von Abel, Henoch, Noah, Melchisedek, Abraham, Isaak, Jakob, Hiob, Moses, Samuel, David, Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel, Johannes dem Täufer und vielen anderen erwarten, die im 11. Kapitel des Hebräerbriefes erwähnt werden."

In diesem Zitat finden wir sogar eine recht ausführliche namentliche Aufzählung der erwarteten "Treuen des Alten Bundes".  Unnötig zu erwähnen, daß auch diese Prophezeiung sich nicht bewahrheitet hat.  Die Gesellschaft erweist sich abermals als Prophet, der redet, ohne von Gott geschickt zu sein (Jeremia 23:21).
 

Beth-Sarim, das Haus der Fürsten, entsteht
1929/30 wird diese nicht von Gott stammende Prophetie sozusagen mit Händen greifbar:  In San Diego (Kalifornien) wird "Beth-Sarim" gebaut, das "Haus der Fürsten".  Fred Franz begründet diesen Schritt gegenüber seinen Lesern in dem Buch "Die Neue Welt" wie folgt:

"Demzufolge können jene treuen Menschen der letzten Zeit jetzt irgendwann zurückerwartet werden. [...] In dieser Erwartung ist im Jahre 1930 in San Diego, Kalifornien, ein Haus gebaut worden, über welches die religiösen Feinde in der breiten Öffentlichkeit böswillig vieles geredet haben.  Es trägt den Namen ´Beth-Sarim´, was ´Haus der Fürsten´ bedeutet.  Zur Zeit wird es als Wohnstätte für die zurückkehrenden Fürsten verwaltet." (S. 104)

Erstaunlicherweise laufen hier die zunehmende (Un)sicherheit über den Zeitraum und die Ergreifung konkreter Maßnahmen in genau entgegengesetzte Richtungen:

Auf eine konkrete Jahreszahl will man sich offenbar nicht mehr festlegen und nimmt zu dem vagen "jetzt irgendwann" Zuflucht.  Andererseits werden konkrete Maßnahmen ergriffen: Ein Haus für Fürsten entsteht, das bis zu ihrer Ankunft lediglich "als Wohnstätte verwaltet" wird.  Eine Abbildung von Beth-Sarim findet sich übrigens auf S. 76 des Buches "Jehovas Zeugen, Verkündiger des Königreiches Gottes".

Wie wurde Beth-Sarim tatsächlich genutzt?
Dort ist auch beschrieben, welchem konkreten Zweck dieses Gebäude gedient hat:  als Winterresidenz für den zweiten Präsidenten der Gesellschaft, J.F. Rutherford, der nach der dortigen Schilderung nach einer zehn Jahre zurückliegenden Lungenentzündung gesundheitlich angeschlagen war.  "Mit der im ´Goldenen Zeitalter´ vom 19. März 1930 im vollen Wortlaut veröffentlichten Urkunde wurde es J.F. Rutherford und später der Watch Tower Society übereignet." (a.a.O.)
Das Ende von Beth-Sarim
1942 verschied J.F. Rutherford, und seine Nachfolge ging an den damals 36jährigen Nathan Homer Knorr über.

Im "Wachtturm" vom 15.04.1948 heißt es dann, daß "es seinem Zweck völlig gedient habe und jetzt nur noch als Denkmal diene, das zu behalten ziemlich kostspielig sei.  Unser Glaube an die Wiederkehr der Männer aus alter Zeit, die der König Christus Jesus auf der GANZEN Erde (und nicht nur in Kalifornien) zu Fürsten einsetzen wird, stützt sich nicht auf das Haus Beth-Sarim, sondern auf Gottes Verheißungswort." (a.a.O.)



Welchen Zweck nun hatte Beth-Sarim?
Das kann man nach dem Werdegang mit Recht fragen.  Die prophezeite Ankunft der "Treuen des Alten Bundes" ist nicht eingetroffen.  Weder 1925, noch hat sie sich lediglich um einige Jahre verzögert.  Für diesen Zweck wurde jedoch, den Worten von Fred Franz zufolge, das Haus ursprünglich gebaut.

In Ermangelung dieser "Treuen" diente es in der Zwischenzeit J.F. Rutherford, dem amtierenden Präsidenten der Watch Tower Society, als nicht eben völlig spartanischer Aufenthaltsort für den Winter.   Nachdem Rutherford verschieden war, verkündet die Wachtturm-Gesellschaft, auf die es übergegangen war, daß dieses "Haus der Fürsten" seinem Zweck völlig gedient habe.    Darf man daraus folgern, daß das Haus der Fürsten dem "Fürsten" J.F. Rutherford als Aufenthaltsort gedient habe?

In "Jehovas Zeugen, Verkündiger..." heißt es ferner:  "Der Bau Beth-Sarims wurde mit Geldern finanziert, die eine direkte Spende für diesen Zweck waren." (a.a.O.)  Hier wäre sicherlich interessant zu erfahren, für welchen genauen Zweck damals gesammelt wurde.

Ein Denkmal war und ist Beth-Sarim sicherlich.  Jedoch eher ein Denkmal dafür, wohin aus menschlicher Vermessenheit gesprochene Prophetie führt, die nicht von Gott autorisiert war.


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